Edith-Schwichtenberg-Stiftung: Eine Erbschaft für ärmere alleinstehende Bielefelder Seniorinnen, die eine kleine Freude schenken soll. Zur Erinnerung an eine das ganze Leben lang als Krankenschwester engagierte Frau, die bis zu ihrem Hundertsten immer für andere da war – bescheiden, sparsam, alleinlebend, freundlich, hilfsbereit. Fast 300.000 Euro mühsam Gespartes für andere zur Freude, aber nur für andere Frauen, wie sie, alleinlebend und älter.
Bielefeld. Die Edith-Schwichtenberg-Stiftung geht zurück auf Edith Schwichtenberg (1921–2021), die viele Jahre in Bielefeld gelebt hat. Sie war alleinstehend, hatte ein großes Herz für ihre Mitmenschen, hat sehr bescheiden gelebt und hat ihr angespartes Vermögen per Testament der Stiftung Solidarität bei Arbeitslosigkeit und Armut vermacht, damit unter ihrem Dach die Edith-Schwichtenberg-Stiftung entsteht. Ihr Ziel war es alleinlebenden älteren Frauen mit geringem Einkommen einmal im Leben (z.B. zum Geburtstag) eine Freude zu bereiten.
Leben und Wirken von Edith Schwichtenberg
Als Krankenschwester im Zweiten Weltkrieg beim Roten Kreuz begann ihre lebenslange Hingabe, anderen zu helfen. In einem Bielefelder Krankenhaus arbeitete sie danach ihr Leben lang in ihrem Beruf als Krankenschwester.
Privat war Edith Schwichtenberg, die unverheiratet blieb, nachdem ihr Verlobter während des Zweiten Weltkriegs in Russland gefallen war, ein sehr bescheidener Mensch. Sie lebte in einem kleinen 16 m²-Zimmer in der Prießallee in Bielefeld. Seit 2012 bis zu ihrem Tode 2021 lebte sie im Wilhelm-Augusta-Stift in Bielefeld. Laut eigener Aussage brauchte sie nicht viel, außer ab und zu einen Piccolo, den sie gerne morgens auf der Bettkante genoss. Sie lebte ihr ganzes Leben lang sehr sparsam und wollte, dass ihr Erspartes einem guten Zweck zugeführt wird, der anderen Menschen Freude bereitet. Edith Schwichtenberg verstarb 2021 im Alter von 100 Jahren im Wilhelm-Augusta-Stift in Bielefeld, wo sie seit September 2012 lebte. Ihre Hinterlassenschaft ist nicht nur in finanzieller Form, sondern auch in den Herzen der Menschen, die sie berührte, spürbar. Ihr Leben war geprägt von Opferbereitschaft, Nächstenliebe und einem tiefen Wunsch, anderen zu helfen. Mit 90 Jahren suchte sie über ihre Betreuerin Frau Helmig-Mbugua den Kontakt zur Stiftung Solidarität bei Arbeitslosigkeit und Armut und ließ sich von Franz Schaible beraten, was man mit ihrem angesparten Vermögen für andere Gutes tun könne. Danach verfasste sie ihr Testament und legte fest, dass nur Frauen, die ärmer und älter sind und alleine leben, durch ihre Stiftung gefördert werden sollen.
Die nach ihrem Tod gegründete Edith-Schwichtenberg-Stiftung wird von der Stiftung Solidarität bei Arbeitslosigkeit und Armut verwaltet. Ihr Vermächtnis lebt in der Edith-Schwichtenberg Stiftung fort und ist eine Hommage an ihr Lebenswerk und ihren unermüdlichen Einsatz für andere Menschen und Ihrem Wunsch ärmere alleinlebende ältere Frauen besonders zu fördern.
Die Edith-Schwichtenberg-Stiftung will Freude schenken, die man nicht erwartet hat. Sie unterstützt ärmere alleinstehende Bielefelder Seniorinnen (mit deutscher Staatsbürgerschaft) mit einem einmaligen Einkaufsgutschein von 100 Euro zu ihrem Geburtstag oder einem anderen selbst gewählten Festtag.
Das Erbe: Die Edith-Schwichtenberg-Stiftung
Frau Schwichtenberg hatte über viele Jahre ein besonders enges und gutes Verhältnis zu ihrer Betreuerin Doris Helmig-Mbugua und begrüßte die Anregung von dieser, dass Förderungen aus ihrem Vermögen auf Vorschlag oder Anregung insbesondere von anderen Betreuer:innen oder Sozialarbeiter:innen dieser Stadt ausgesprochen werden sollen.
Angelegt ist die Edith-Schwichtenberg-Stiftung als Verbrauchsstiftung auf eine Laufzeit von mindestens zehn Jahren. Laut Stiftungsvereinbarung erhalten alleinstehende ältere Bielefelderinnen über 60 Jahre (mit deutscher Staatsbürgerschaft) mit geringen Einkommen über diese Stiftung einmalig einen 100€-Festtags-Geschenk-Gutschein. Durchschnittlich können jährlich rund 200 Gutscheine vergeben werden. In diesem Jahr sind es ausnahmsweise bis zu 350 Gutscheine, weil die Stiftung noch nicht so bekannt ist und im vergangenen Jahr noch nicht so viele Gutscheine in Anspruch genommen wurden.
Wer kann den Festtagsgutschein beantragen – Welche Gutscheine gibt es?
Die Unterstützung kann unbürokratisch in der Regel von Betreuerinnen oder Betreuern/Sozialarbeiter:innen direkt bei der Stiftung beantragt werden. Anträge gibt es zum Herunterladen auf der Webseite: www.stiftung-solidaritaet-bielefeld.de/stiftung/edith-schwichtenberg-stiftung/ oder über das Antragsformular im Edith-Schwichtenberg-Stiftungs-Flyer. Dieser liegt in den Ausgabestellen der Stiftung Solidarität aus.
Bisher wurden über die Edith-Schwichtenberg-Stiftung rund 40 Bielefelderinnen mit Gutscheinen von je 100 € unterstützt. Die meisten wünschten sich Gutscheine für Discounter, Supermärkte oder Drogeriemärkte, aber auch Bekleidungs-Gutscheine oder Gutscheine für Elektro- oder Unterhaltungsmedien sind gefragt.
Hilfe für alleinstehende ältere Personen mit geringen Einkommen soll nachhaltig ausgeweitet werden
Die Stiftung hofft, diese Freude mit einem Festtagsgutschein zukünftig nicht nur älteren Frauen, sondern allen alleinstehenden älteren ärmeren Menschen (auch ohne Betreuer*innen) zugänglich zu machen – also unabhängig von Geschlecht und unabhängig von der Herkunft („Freude“ bedarf es bei allen Menschen).
Dafür ist die Stiftung Solidarität, die die Edith-Schwichtenberg-Stiftung als Treuhänderin verwaltet, auf die Solidarität und Unterstützung der Bielefelder Bürger:innen und Firmen angewiesen. Mit Spenden oder Vermächtnissen kann ein Stück Freude bei älteren alleinlebenden Menschen nachhaltig aufgebaut werden.
Weitere Informationen dazu gibt es auf der Webseite der Stiftung Solidarität unter der Rubrik Spenden: www.stiftung-solidaritaet-bielefeld.de/spenden-und-mehr



